„Das armseligste Viertel Berlins heißt: der Wedding.“

„Die Friedrichstraße ist ein seltsames Gewächs. Sie verwandelt sich fortwährend und bleibt doch, was sie ist.“

„In Berlin fragt niemand nach der Hautfarbe, nach dem Pass, nach dem Bankkonto, nach der Vorbildung, nach den Zensuren, nach der Familienchronik. Es hieß nur: Berolina, hic salta! Wem der Sprung gelang, der war qualifizierter Berliner.“

„Die Berliner Theaterdirektoren sind der Anssicht, dass die Nichtberliner Idioten sind. Das ist natürlich ein Irrtum. Aber in Berlin wird das nicht geglaubt.“

„Berlin ist zwar nicht meine Heimat, doch ich habe die schönsten und die schlimmsten Jahre darin verbracht.“

„Der Berliner Frühling findet in Werder statt. Sobald die Obstbäume blühen, macht man seinen Ausflug dorthin.“

 

Quelle: Kästner, Erich: Sonderbares vom Kurfürstendamm. Berliner Beobachtungen. Hrsg. Sylvia List. Atrium Verlag, 2. Auflage 2015.

Über mich

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War von 2011 bis 2013 Volontärin bei der HNA in Kassel, arbeitet jetzt in der Pressestelle und als Redakteurin beim NABU in Berlin.

Auf diesem Blog finden Sie Links zu von mir verfassten Beiträgen, veröffentlicht in Print und Online. Text und Bildrechte, soweit nicht anders angegeben, bleiben bei mir. Kontakt über nicolefloeper(at)gmx.de.

Print/Web

Aktuelle Beiträge immer in der Naturschutz heute.

Interviews

  • Interview mit Handwerks-Präsident Otto Kentzler zur Rente mit 67 (HNA, 23.2.12)
  • Interview mit Tom Koenigs (Bündnis 90/Die Grünen) zur Reichtumsstudie (HNA, 5.3.12)
  • Interview mit Ulrich Neumann zur ARD-Themenwoche „Leben mit dem Tod“ (HNA, 19.11.12)
  • Interview (HNA, 13.12.12) mit Andrea Sawatzki
  • Ein Interview zur GEZ-Reform mit Prof. Dr. Christoph Degenhart, erschienen am 17.12.2012 in der HNA #Rundfunkbeitrag
  • Interview mit Otto Walkes zu seiner bevorstehenden Tour „Geboren um zu blödeln“ erschienen in der HNA am 7.1.2013 #Otto
  • Interview (HNA, 11.5.13 ) mit Stipe Erceg zum Donna Leon Film

Videos

  • Pferdefleisch-Skandal: Test im Hessischen Landeslabor Kassel
  • Erweiterung des Einkaufszentrums DEZ in Kassel
  • Tiere suchen ein Zuhause

Jeden Tag auf Entdeckungsreise: Wohnbusse aus Bochum machen Lust auf Camping

Stell dir vor, es ist Urlaub oder Wochenende, du steigst in dein Auto und musst dir keine Gedanken um Unterkunft oder Essen machen. Du kannst einfach fahren, solange du willst und irgendwo Halt machen, wo es dir gefällt. Diesen Traum hatten Ende 2012 auch zwei junge Männer aus Bochum. Als begeisterte Wassersportler waren sie zum Kiten ans Steinhuder Meer gefahren. Nur wie das Leben so oft spielt: Es war windstill. Also saßen sie am See und sponnen Ideen. Viel schöner wäre es allerdings gewesen, wenn sie nicht am kalten Ufer, sondern im Innenraum eines ausgebauten Bullis hätten sitzen können. Die Geschäftsidee war geboren: Wieso nicht selbst VW-Transporter ausbauen und diese an ebenso begeisterte Urlauber verkaufen, die gerne unabhängig reisen? Mit individuell zugeschnittenem Innenausbau für die jeweiligen Bedürfnisse der Camper?

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Mit dem individuell ausgebauten T5-VW-Wohnbus auf Reisen.

Doch wie es so ist mit dem „sich selbstständig“ machen, das braucht Mut und den richtigen Zeitpunkt. Und dazu kommen noch die Vorarbeiten: Businessplan, Kapitalbeschaffung, geeignete Räume finden. Am 5. Mai 2014 war es dann soweit: die Firma „Discarvery Wohnbusse“ ging an den Start. Dahinter stehen Sebastian Hoffmann (32) und Peter Krawietz (27). Die gebürtigen Sauerländer bringen die besten Voraussetzungen mit: Sie haben eine Ausbildung zum Tischler absolviert und danach einen Abschluss zum staatlich geprüften Holztechniker gemacht. Ablaufpläne, Konstruktion, die Produktion und Fertigung von Möbeln, all dies können sie jetzt selbstständig in ihrer Firma anwenden. Dazu kommt die Leidenschaft für Campingbusse. „Meinen ersten Bulli hatte ich mit 17 und an dem habe ich viel rumgeschraubt“, erzählt Sebastian.

Bedürfnisse der Camper erfüllen

Der Name der Firma war keine leichte Geburt. Das Wort Camping sollte im Namen nicht unbedingt vorkommen, das klang ihnen zu abgegriffen. „In ‚Discarvery Wohnbusse’ steckt die Lust zum Entdecken mit drin. Ein bisschen hoffen wir auch, dass die Leute auf uns stoßen, wenn sie den Discovery-Channel googeln und falsch schreiben“, scherzt Sebastian.

Bevor es überhaupt losgehen konnte, musste erstmal eine Marktanalyse erfolgen: Gibt es solche Angebote nicht schon genügend auf dem Markt? „Wir möchten eine jüngere Generation ansprechen. Was es bislang gibt, hat uns nicht gefallen, daher wollen wir ein junges Design anbieten, was zu den Bedürfnissen der Camper passt“, erklärt Peter. „Einen eigenen Wohnbus zu haben, hat viele Vorteile. Man muss nicht immer einen teuren Wohnwagen leihen, sondern kann Kitebretter, Surfbretter oder Fahrräder sicher unterbringen.“ Spontane Ausflüge sind unproblematisch, da im Wohnbus auch geschlafen werden kann.

Werkstattbesuch

DSC_0032nifIn der Roberstr. 87 in Bochum begrüßt einen an der Tür das knallblaue „Discarvery“-Firmenlogo. Es gibt einen Büroraum, Lager und Werkstatt. Die Werkzeuge sind geordnet an den Wänden aufgehängt oder in Kisten verstaut. Prototypen von Spül- und Kochschränken sind schon fertig. „Wir bieten entweder komplett ausgebaute VW-T5 zum Verkauf an oder stellen maßgeschneiderte Möbel her, die man bei uns in Auftrag geben kann. Beispielsweise Schränke für Stauraum, Kochnischen und Schlafgelegenheiten, Kühlschränke oder Kühlboxen“, sagt Sebastian. Kunden können also mit ihrem eigenen Bulli vorbeikommen oder sich Einzelmöbel bestellen, die man einbauen kann, um eine Zulassung als Wohnmobil zu bekommen. „Es ist uns wichtig, eine wohnliche Atmosphäre zu schaffen, wir bauen auf Wunsch auch Verdunkelungsrollos und Vorhänge ein“, so Sebastian. Darüber hinaus gibt es Fahrradträger, Surfbrettträger oder aufblasbare Vorzelte, die sie mit im Angebot haben.

 

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Peter Krawietz (links) und Sebastian Hoffmann sind die Gründer von „Discarvery Wohnbusse“.

So wurde aus einer spontanen Idee eine eigene Firma. Die beiden Bochumer haben sich damit einen ersten Traum erfüllt. „Mit einem Wohnbus ist man unabhängig von Anreiseterminen, man hat die Freiheit in den Ferien zu machen, was man möchte. Aber nicht nur in den Ferien, auch im Alltag kann man spontan Ausflüge machen und viele neue Dinge entdecken“, sagt Peter. „Wir hoffen, dass wir mit dieser Idee viele Menschen ansprechen und dass unsere Firma daher ein Erfolg wird.“ Ein weiterer Traum sei, irgendwann eine Gemeinschaft von „Discarvery“-Fahrern zu haben. Der erste Schritt dahin ist mit dem ersten fertig gestellten T5 getan, der hoffentlich bald einen neuen Besitzer findet.

Mehr Informatione unter: www.discarvery.de

www.facebook.com/discarvery

„Io sono siciliano.“ – „Ich bin Sizilianer.“

Una storia di un artiste giovane – Eine Geschichte über einen jungen Künstler

Il fotografo Antonio Buttitto.
Il fotografo Antonio Buttitta.

Io sono siciliano. Ich bin Siziliano. So beginnt sein erster Satz, wenn er sich vorstellt. Antonio Buttitta, 31, ist es wichtig, woher er kommt. Als ich ihn kennenlernte, wohnte er in Rom. Zum ersten Mal lebte er alleine, weg von seiner Insel Sizilien, weg aus Palermo, weg von seiner ‚mama‘. In Italien ist es eigentlich normal, dass man mit 25 noch bei Mama wohnt.  Antonio hat Palermo vorher nie verlassen, außer um Urlaub zu machen. Er ist dort geboren, in dieser Stadt der tausend Gegensätze. Er ist dort zur Schule gegangen, hatte das Meer und den Mondello direkt vor der Nase. In seiner Freizeit surfte er mit einem Longboard vor der Isola delle Femmine und fuhr mit seinen Freunden Vespa. Er spielte Saxophon und studierte: Jura, wie sein Vater. Jeden Tag kam er nach Hause zu seiner mama in sein Jugendzimmer. Das Paradies? Vielleicht.  Antonio will mehr, er ist intelligent, er besucht die Schule für Diplomaten an der Piazza Venezia in Rom. Sein Englisch ist gut, er spricht französisch und spanisch. Er will weg, andere Länder kennen lernen. Er hat Italien satt.

Jetzt lebt er in Pistoia – 90.000 Einwohner zählt die Stadt in der Toskana. Er ist weg von zu Hause, wo immer die Sonne scheint. Weg von der Familie. Weg aus der hektischen Stadt Rom. Er lebt alleine. Glücklich? Ja, oft. Das mit dem Diplomat werden hat nicht geklappt. Er hat vor sechs Jahren die benötigte Punktzahl für die Abschlussprüfungen nicht erreicht. Er probiert es kein zweites Mal. Er macht eine  Ausbildung bei der toskanischen Finanzbehörde und bekommt danach dort einen Job.

„Vengo da un’isola in cui la luce é dura, difficile da gestire. La Sicilia è una terra aspra, piena di contrasti, ma ricca di contenuti. Contenuti che mi sarebbe piaciuto raccontare, ma non sapevo ancora come.“ –
Ich komme von einer Insel, auf der das Licht zäh ist, schwer zu greifen. Sizilien ist ein hartes Land, voll von Gegensätzen, aber inhaltsreich. Inhalte, die ich gerne erzählen würde, aber ich weiß noch nicht wie.“

Antonio hat beschlossen, seine Geschichten in Form von Bildern zu erzählen.

Copyright: Antonio Buttitta. All rights reserved.
Copyright: Antonio Buttitta. All rights reserved.
„Ho iniziato a fare fotografia nel 2011, quando mi sono trasferito in Toscana. In Toscana c’é una fortissima tradizione fotografica, e la luce é molto diversa, i paesaggi sono morbidi, silenziosi, e forse é stato questo a farmi iniziare.
E cosí mi sono messo a raccontare la Toscana, e la Sicilia.“ – 
Ich habe 2011 angefangen zu fotografieren, als ich in die Toskana gezogen bin. In der Toskana hat das Fotografieren eine starke Tradition, und das Licht ist vielfältig, die Landschaften sind weich, leise, und vielleicht hat mich das dazu bewegt zu beginnen. Und so erzähle ich jetzt über die Toskana und über Sizilien.“

Antonio stellt seine Fotos zu Videoinstallationen zusammen. Er arbeitet dafür mit Künstlern und Menschen aus der Region zusammen. Zu sehen sind seine Arbeiten hier: http://vimeo.com/antoniobuttitta

„Il mio approccio alla fotografia é forse un pó anomalo. Quello che racconto é la rappresentazione in immagini di una poetica personale. Poesie, ricordi e impressioni, sparsi nel tempo, anche di tanti anni fa. La fotografia é uno strumento che riesce a evocare sensazioni profonde, forti, attraverso i colori, certo, ma nel mio caso soprattutto con il simbolismo del bianco e nero. La fotografia serve a recuperare „dal fondo del barattolo“, e quando metto insieme scritti e immagini, mi rendo conto di quanto sia forte l’impronta psicologica e simbolica in quello che faccio.“

Sein Anspruch an die Fotografie ist vielleicht etwas unnormal, sagt er. Das, was er erzählt, sei die Darstellung einer persönlichen Poesie in Bildern. Gedichte, Erinnerungen und Eindrücke, die im Laufe der Zeit verschwinden, auch aus einigen vergangenen Jahren.

Copyright: Antonio Buttitta. All rights reserved.
Copyright: Antonio Buttitta. All rights reserved.

Die Fotografie sei ein Instrument, das dazu diene, tiefgehende, starke Gefühle auszulösen, und das durch Farben, aber in seinem Fall ausschließlich durch das Symbol schwarz und weiß. Die Fotografie diene dazu, „vom Grund der Büchse“ etwas hervorzuholen, und wenn er Geschriebenes mit den Bildern vereine, dann beweise er, wie stark die psychologischen und symbolischen Eindrücke seien, die er schafft.

Seine Fotos wurden bislang  in Pistoia und in New York ausgestellt.

Balve – ein politisches gallisches Dorf?!

Wir sprechen oft davon, wie guter Journalismus aussehen muss, soll oder kann. Leider gibt es zu viele Beispiele, wie es nicht sein sollte.

In der taz erschien am 18. Dezember ein Artikel über das Dorf Balve. Abgesehen davon, dass Balve eine Stadt ist, frage ich mich, was uns der Artikel sagen will? Die Überschrift lautet „Glaube, Sitte, Heimat“. Jemand, der sich mit Schützenbruderschaften nicht auskennt, denkt vermutlich zunächst an Nazis. Worum es aber wohl gehen soll, sagt uns die Kopfzeile: Konservativ. Und dann frei übersetzt: Die CDU hat nur noch Wähler im Dorf. Und daher im ländlichen Sauerland. Aha. Skandal!!

Der taz-Artikel will wohl darstellen, dass das ganz schrecklich ist, dieses konservative Pack. Oder doch nicht, sollen wir froh sein, dass es solche gallischen CDU Dörfer noch gibt? Es bleibt diffus. Die SPD und der Ortsverband in Balve kommen nicht zu Wort. Die könnten ja das Bild verzerren, das die Autorin darstellen will. Und befinden wir uns jetzt im Dorf oder doch in der Stadt Balve? Die Autorin wechselt munter hin und her.

Am köstlichsten ist jedoch der Einstieg, als ob in Balve niemand frei über seine politische Einstellung reden würde, geschweige denn könnte. Bedrohlich scheint die CDU über allem zu schweben. Meine Erfahrungen sind eher anderer Natur: Jedes Weihnachten und an sonstigen Feiertagen fahre ich ins schöne Sauerland und nirgendwo wird mehr diskutiert und gemeckert. Ob es das Krankenhaus in Balve ist, das es nicht mehr gibt, oder die wirtschaftliche Situation in den mittelständischen Betrieben. Und dabei spielt mit Sicherheit kein Parteibuch eine Rolle.

Man mag von Schützenvereinen halten was man will: Sie sind schließlich aus dem religiösen Umfeld entstanden und nehmen karitative Aufgaben war, die sie als katholischer Verband zu erfüllen haben. Sie sind für viele Menschen auf dem Dorf ein sozialer Dreh- und Angelpunkt. Besser, als den ganzen Tag vor der Glotze zu sitzen und sich für nichts zu interessieren. Und das heißt nicht, dass es in ländlichen Gebieten keine Alternativen gibt.

Und ich frage mich, ob es die „Fantastischen Vier“ in der Balver Höhle so schrecklich gefunden haben. Schließlich haben sie sogar zweimal dort unplugged gespielt.

Rechte Gesinnung nur im Osten? – Augen auf in ganz Deutschland!

Von Nicole Flöper, Carsten Reichertund Anieke Walter

Oktober 2009: Ein Mitglied des „Coburger Bündnisses gegen Rechts“ erhält schriftliche Morddrohungen. Neonazis verteilen immer häufiger Flugblätter mit rechten Parolen an Schulen im Landkreis. Die Coburger Bürger demonstrieren gegen den dort ansässigen   rechten Verlag „Nation Europa“. November 2009: Jürgen Rieger, Anwalt und Geldgeber der NPD, stirbt an einem Schlaganfall. Anhänger der NPD und rechte Gruppierungen wollen für ihren verstorbenen Parteigenossen einen Gedenkmarsch in Wunsiedel  veranstalten. Sieben Jahre lang hatten sie dort den „Rudolf-Heß-Gedenkmarsch“ abgehalten. Jährlich kamen 1 000 Neonazis nach Wunsiedel. Höhepunkt war der  Aufmarsch 2005 mit 5 000 Teilnehmern, begleitet von 1 300 Gegendemonstranten. Seit 2007 dürfen Rechtsradikale dort nicht mehr aufmarschieren. Nach dem Verbot von Seiten des Landratsamtes Wunsiedel, entschied der Bayerische Verwaltungsgerichtshof das  Verbot für den Gedenkmarsch einmalig aufzuheben. Birgit Mair, Diplom-Sozialwirtin und   Mitbegründerin  des Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) e.V. informiert seit Jahren, über Rechtsextremismus in Oberfranken. „Es bringt  nur etwas, wenn man sich öffentlich gegen diese Gesinnung stellt und die Menschen  aufklärt. Rechtsradikalismus wird es immer geben. Die Aufgabe des Staates und der  Zivilgesellschaft ist es aber, Aufklärungsarbeit zu leisten“, so Birgit Mair. Sie betont, dass  hier jeder Einzelne gefragt sei. Täglich gibt es bundesweit drei Opfer rechtsradikaler  Gewalt. „Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Ignoranz etwas bringt. Und  die Rechtsextremisten laufen eben nicht ins Leere, sondern machen Propaganda.“ Gegen  das Vergessen Ein Beispiel: Im Internet kursieren Handytöne zum Herunterladen mit Inhalten wie „Juden ab in den Ofen“. Das Bildungsprojekt „Tacheles! Handlungsstrategien  gegen Rechtsextremismus in Jugendarbeit“ in Mittel- und Oberfranken soll Jugendlichen unter anderem helfen, rechtsradikale Inhalte zu erkennen. Eine weitere Methode der NPD,  jugendliche Anhänger zu gewinnen, ist CDs mit rechtsradikalen Inhalten an Schulen  zu verteilen.

Hilfe gegen Rechtsradikalismus im Netz

Rechtsextremismus ist lange nicht mehr nur dort, wo er offensichtlich scheint. Er
ist auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Anders als man denken möchte, sind  es nicht mehr nur die organisierten und losen Gefüge, wie die NPD oder die freien  Kameradschaften – Rechtsextremes Gedankengut hat sich seit dem Ende des Zweiten  Weltkriegs zunehmend in der Gesellschaft manifestiert. Dass rechtsextremistischen Einstellungen nicht unbedingt Taten folgen müssen, zeigen verschiedene repräsentative  Studien der Universität Leipzig, beauftragt von der Friedrich-Ebert-Stiftung. Verbindendes Kennzeichen eines rechtsextremen Einstellungsmusters sind sogenannte Ungleichwertigkeitsvorstellungen. Diese reichen konkret von der Verharmlosung des  Nationalsozialismus über Chauvinismus und Sozialdarwinismus bis hin zur Befürwortung  einer rechtsautoritären Diktatur, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus. Die im  Rahmen der Studie befragten Personen mussten in einem Gespräch zu 18 Aussagen  Stellung beziehen, denen sie voll und ganz, überwiegend oder teils/teils zustimmen  konnten. Möglich waren auch die Aussagen, überwiegend oder völlig abzulehnen. Im  Vergleich zum Jahr 2002 ist die Zustimmung zu rechtsextremen Einstellungen angestiegen, insbesondere bei Ausländerfeindlichkeit und Chauvinismus. scheint sich zu bestätigen, dass mit höherem Bildungsabschluss die Zustimmung tendenziell abnimmt.  Allerdings sind diese Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen, denn Menschen aus höheren  Bildungsschichten wissen, aufgrund der sozialen Erwünschtheit, welche Antwort sie in  solchen Situationen geben müssen. Eine spezielle Auswertung für die Gruppe der  Studierenden in Deutschland liefert die Studie allerdings nicht – zu vielschichtig sind hier  die Einwirkungsfaktoren. Im Westen stellten die Forscher seit 2002 einen leichten Rückgang der Zustimmungen fest, während sich im Osten die Bejahung antisemitischer  Aussagen leicht erhöhte. Nach den Autoren der Studien greife eine Unterscheidung zwischen Ost und West aber nicht tief genug, vielmehr seien die Gründe in den  sozialräumlichen Unterschieden wie Bevölkerungsstruktur oder Wirtschaftskraft zu sehen. Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Studie „Vom Rand zur Mitte“ in Bayern. Das  erschreckende Ergebnis dort: Bayern lag in sämtlichen Erhebungsbereichen erkennbar über den Durchschnittswerten der Bundesrepublik, aber auch über dem Mittelwert in Ost  und West. Besondere Sprengkraft verliehen die Forscher ihren Ergebnissen, indem sie auch das Wahlverhalten der Personen mit rechtsextremem Gedankengut veröffentlichten:  45 Prozent der Befragten machen demnach ihr Kreuz bei der CSU, 14 Prozent bei der SPD. Interessant ist, dass die bayerische Staatsregierung darin keine politische Herausforderung für die kommenden Jahre sehen will und die Studien kurzerhand vom Ministerrat als „unwissenschaftlich“ klassifzieren ließ – ein bisher  einmaliger Vorgang bundesdeutscher Wissenschaftsgeschichte. Die Autoren plädieren hingegen dafür, zivilgesellschaftliche und antifaschistische Projekte zu verstärken, da diese  in Westdeutschland bereits erste Erfolge erzielen konnten. Zwar gibt es bereits einige Organisationen und Bündnisse gegen Rechts. Doch bei der Bekämpfung von rechtem Gedankengut ist auch jeder Einzelne gefragt.

Ottfried/2009

Zur Studie von 2012

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Hipster – Bist du einer davon?

An die Trendy-Andys und Indie-Cindys:

Hipster (hipsterius epedimeticus) – Der sogenannte Hipster findet sich bevorzugt in Großstädten, es gibt mittlerweile aber auch Sichtungen in kleineren Städten. Sein bevorzugter Lebensraum ist die WG-Küche. Dort sitzt Männchen oder Weibchen morgens um 7 Uhr meist rauchend, bevor sie oder er ohne ihre Partyklamotten zu wechseln, in die Universität oder ihr nicht bezahltes Praktikum schlurft. Mit Pünktlichkeit sollten sie beim Hipster nie rechnen – andere Dinge wie Mate-Tee oder Chai Latte trinken ist wichtiger. Das Männchen erkennen sie an seiner 50er-Jahre Rockabilly-Frisur, der großen Hornbrille, einem tief ausgeschnittenen Hemd (ohne Brusthaar), einer Hochwasser-Röhren-Jeans, Stoffsneakern und dem Jutebeutel. In diesem befindet sich Tabak für die selbstgedrehte Zigarette, nie ein Feuerzeug, denn es ist viel cooler immer nach Feuer fragen zu müssen, loses Bargeld oder die EC-Karte (Portmonnaies sind sowas von OUT),  das iphone und die Rayban-Sonnenbrille. Das Weibchen sieht genauso aus, nur trägt sie ihre lange Haare zum Dutt und meist eine Ponyfrisur. Die Königinnen der Weibchen tragen auch im Winter noch „Arsch-frisst-Hose“ – Jeans-Shorts und Stoffrucksäcke, die schon in den 90er-Jahren hässlich waren.

Sollte sich die Möglichkeit ergeben, mit einem Hipster zu sprechen, sollten sie niemals auf das Thema Musik zu sprechen kommen. Sie können nur verlieren. Denn alles was heute in ist, ist beim Hipster schon out. Um sich von der Masse abzugrenzen projeziert der Hipster seine Energie nicht auf Politik, Gesellschaft und Kultur. Er zeichnet sich eher durch schlechten Geruch (Waschen ist überflüssig), nicht geputzte Zähne, schlechtes Benehmen und Unzuverlässigkeit aus. Aber das ist doch total cool.

Dazu:

How to become a Hipster  Projekt der Akademie Hamburg-Volos

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